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"Herrrrzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen." jubelt die freundliche Frauenstimme vom Band am Telefon. Im zweiten Satz dann der Hinweis, dass ich kurz davor bin, einen BMW zu gewinnen. Welch eine erfreuliche Nachricht! Vorher gibt es allerdings noch eine kleine Hürde: Ich muss eine Nummer zurückrufen oder einfach nur eine Taste an meinem Telefon drücken.

Wer diese vermeintlich erfreuliche Nachricht am Telefon erhält und nicht -wie ich- sofort auflegt, ist jetzt vielleicht versucht, die von der euphorisch jubelnden Frauenstimme genannte Nummerntaste auf seinem Telefon zu drücken. Aber: Wer anruft, zahlt. Denn das Gewinnversprechen ist eine Form von Abzockmasche, die unter dem Oberbegriff Telefonspam geführt wird.

Spammer und BetrügerDie angegebene Telefonnummer beginnt meist mit der Kennung 0900. Die Verbindung zu einem solchen "Premiumdienst" kann bis zu drei Euro pro Minute kosten, oder sogar 30 Euro pro Anruf. Und der versprochene Gewinn erweist sich meist als wertlos oder nicht existent.

Nicht ganz so teuer sind die in derartigen Anrufen ebenfalls auftauchenden 0137er-Nummern, wie sie auch bei Abstimmungen und vor allem zahlreichen Gewinnspielen in Radio und Fernsehen beliebt sind. Aber auch sie können ins Geld gehen, vor allem dann, wenn mehrfache Anrufe die Chancen erhöhen sollen. Doch der Verbraucher ist nicht hilflos gegen solche Umtriebe. Gerade beim Rufnummernspam können sich Betroffene an die Bundesnetzagentur wenden.

Spam, ursprünglich ein Begriff für unerwünschte Werbung per E-Mail, taucht in immer neuen Varianten auf. Ob per E-Mail, über Fax, durch unerbetene Werbeanrufe oder per SMS auf dem Handy - lästig sind alle Formen, teuer und nutzlos für den Verbraucher die meisten, und einige sind sogar tückisch.

Tückische Varianten

 Wer nicht ohnehin misstrauisch ist, kann leicht in die Kostenfalle tappen. Das gilt besonders für ältere Menschen und Kinder, weiß die Bundesnetzagentur in Bonn. Zwei Spam-Varianten gelten durch den Überrumpelungseffekt als besonders problematisch. Die eine sind sogenannte Ping-Anrufe, die andere das "Tastendruckmodell".

Beim Ping-Anruf wird die Verbindung nach einmaligem Klingeln unterbrochen. Bei dem Angerufenen verbleibt im Display die Meldung "Anruf in Abwesenheit". Wer unbedacht die angezeigte Nummer wählt, hat schon Geld verloren. Denn der Anruf führt zu einer teuren 0900er oder 0137er-Nummer.

Noch raffinierter ist das "Tastendruckmodell". Im Verlauf des Werbeanrufs wird der Angerufene verleitet, eine bestimmte Taste oder Tastenkombination zu drücken, beispielsweise um einen versprochenen Geldpreis abzurufen. Nach dem Tastendruck jedoch wird das Gespräch auf eine teure 0900-Nummer geschaltet, selbst wenn der Telefonanschluss dafür eigentlich gesperrt war und sein Besitzer sich vor kostspieligen Telefonaten beispielsweise seiner Kinder sicher wähnte. Die in manchen Telefonanlagen möglichen Premiumnummern-Sperren (als Kindersicherung) werden so ausgehebelt.

Verbraucherfreundliches Gegenmittel

 Die Betreiber der Abzocknummern sitzen meist im Ausland. Allein können betrogene Kunden ihnen kaum beikommen. Doch die Bundesnetzagentur hat einen Weg gefunden: Sie sperrt nicht nur die einschlägigen Telefonnummern, sondern sie untersagt vor allem auch das Eintreiben der ergaunerten Gebühren. Im Fall des Tastendruckmodells verbot die Behörde sogar das Geschäftsmodell insgesamt. Darüber muss demnächst das Oberverwaltungsgericht Münster entscheiden, nachdem das Verwaltungsgericht Köln die Anordnung der Bundesnetzagentur Mitte April vorläufig bestätigt hatte.

"Am stärksten werden die Betreiber getroffen, indem man ihnen die finanziellen Gewinnströme austrocknet", sagt der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth. "Da wirkt das Verbot von Rechnungslegung und Inkasso." Das gelte auch für Firmen mit Sitz im Ausland, da das Geld ja über die Telefonrechnung in Deutschland kassiert werden solle. Auf Mahn- oder Drohschreiben sollten Verbraucher nichts geben. "Für diese Leistung muss der Verbraucher nicht zahlen, wenn die Behörde das Inkassoverbot ausgesprochen hat."

Über eine Million Verbraucherbeschwerden seit 2003

Bis zu 800 einschlägige Rufnummern seit 2003 hat Kurths Behörde pro Jahr abgeschaltet. In mindestens einem Drittel der Fälle wurde auch das Rechnungslegungs- und Inkassoverbot ausgesprochen. "Die Verbraucher können sich in diesen Fällen beruhigt zurücklehnen, sie müssen nicht zahlen", sagt Kurth.

Allein wegen Rufnummernspam gingen pro Jahr etwa 30.000 Beschwerden ein. Kurth weiß aber, dass den Abzockern immer neue Tricks einfallen, so dass die Zahl der Beschwerden steigen wird: "Es ist wie mit der Hydra: Sie schlagen einen Kopf ab und es wächst woanders was nach", sagt er.

Telefonspammer und -abzocker rigoros sperren

Leider ist es nun mal so, dass die Bundesnetzagentur eine Behörde ist. Und Behörden arbeiten nun mal langsam. Beschwerden über Telefonmissbrauch sind deshalb zwar notwendig, aber weitestgehend wirkungslos. Denn die Bundesnetzagentur sperrt zwar bei erwiesener Betrugsabsicht die Nummer, die Spammer und Abzocker haben aber in der Zeit längst eine neue Nummer, über die sie ihre dubiosen Geschäfte abwickeln.

Am besten ist es deshalb, die Spammer sofort und rigoros zu sperren, so dass deren Anrufe erst gar nicht bis an Ihr Telefon gelangen. Viele moderne Smartphones bieten z.B. die Möglichkeit Rufnummern in der Kontaktliste zu sperren. Eine hervorragende Möglichkeit, zu Hause auf dem Festnetztelefon Spammer auszusperren, bietet die Fritz-Box. Mit der neuesten Firmware kann man hier sogar ganze Telefonbücher anlegen, um eine sehr hohe Anzahl von Telefonnummern zu sperren.

Axel Sprenger zeigt dies auf  seiner Website Anti-Telefonspam mit gut verständlichen Tutorials

Telefonspammer und Ping-Anrufer bekommen jedenfalls bei mir den Aufkleber KISS my Ass - Goodbye. Und ab auf die Sperrliste!

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